Medikamente in der Naturheilkunde

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Pflanzenheilmittel werden in der Behandlung rheumatische Beschwerden in allen Kulturen seit langem eingesetzt und haben dabei einen hohen Stellenwert.

In den letzten Jahren hat das Wissen über Pflanzenwirkstoffe und ihre biochemische Zusammensetzung stark zugenommen. Zu vielen Heilpflanzen und ihren Wirkstoffen liegen heute positive wissenschaftliche Erkenntnisse aus umfangreichen Studien vor und sind weitgehend unbestritten.

Heilpflanzen werden traditionell als wässrige Aufgüsse aus Teilen der Pflanze verabreicht, heute stehen darüber hinaus eine Vielzahl von definierten chemischen Auszügen (Extraktpräparate) meist in hoher Konzentration zur Verfügung.

Nach dem Arzneimittelrecht unterscheidet man Phytotherapeutika mit traditionell überlieferten Wirkungen und Phytopharmaka mit wissenschaftlichem Wirknachweis und standardisierten Inhaltsstoffen. Letztere unterliegen einem weitgehend identischen arzneimittelrechtlichen Zulassungsverfahren wie chemische Pharmaka hinsichtlich einer indikationsbezogenen Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität.

Die Pflanzenwirkstoffe (in der Fachsprache meist als „Droge“ bezeichnet) mit traditioneller Wirkung wurden hinsichtlich der Plausibilität ihrer Wirkung vom damaligen Bundesgesundheitsamt in den 80er Jahren für das deutsche Arzneimittelrecht bewertet und jeweils in einer Monografie dokumentiert. (Monografien der Kommission E des Bundesgesundheitsamtes) Auf europäischer Ebene existiert heute entsprechend eine Beurteilung durch die European Scientific Cooperative on Phytotherapy / ESCOP.

Nach heutigem Stand sind sechs Heilpflanzen und eine Heilpflanzenkombination für die innere Anwendung sowie eine Droge für den äußerlichen Gebrauch positiv bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises bewertet worden. (Abb. 2.3) Es sind hieraus mehrer Extraktfertigpräparate nach heutigem Arzneimittelrecht zur Therapie zugelassen.

Grundsätzliches zum Umgang mit Heilpflanzen

Heilpflanzen können innerlich oder äußerlich angewandt werden. Äußerlich kommen sie zum Beispiel als Zusatz in Salben und Umschlägen oder als Badezusätze zur Anwendung. Die Wirkstoffe der Heilpflanze sind in bestimmten Anteilen der Pflanze enthalten, die zur Herstellung eines Heilmittels verwendet werden. Die anerkannten Heilpflanzen werden im deutschen Arzneibuch aufgeführt (DAB). Hier wird der genaue Umgang, die Lagerung und Qualitätssicherung verbindlich geregelt und festgelegt. Beim Einkauf von Heilpflanzen z.B. für Teezubereitungen sollte daher auf die Einhaltung der Vorschriften nach dem DAB geachtet werden.

Heilpflanzen zur inneren Anwendung können als Teezubereitung einzeln oder in Kombination nach individueller Rezeptur verordnet werden. Dabei kommt der gesamte wasserlösliche Stoffgehalt der Pflanze zur Anwendung. Die Vorschrift zur Zubereitung des Tees sollte möglichst genau eingehalten werden, um die arzneilichen Inhaltsstoffe zur Wirkung kommen zu lassen. Teezubereitungen eigenen sich nur für niedrige Wirkstoffdosen und milde, meist langfristige Effekte.

Für einen stärkeren und standardisierten Effekt stehen Extraktpräparate (meist Kapseln mit Auszügen eines definierten Wirkstoffgemisches) zur Verfügung. Hierbei gilt, dass nicht alle Extraktpräparate aus der gleichen Pflanze die gleiche Wirkstoffzusammensetzung haben müssen. Auch die Dosierung ist wegen der unterschiedlichen Extraktverhältnisse für den Laien meist schwer vergleichbar, was auch einen Preisvergleich verschiedener Hersteller oft unmöglich macht.

Auch Phytopharmaka können unerwünschte Wirkungen haben, Wechselwirkungen mit chemischen Medikamenten sind nicht auszuschließen. Grundsätzlich gilt, dass Phytotherapeutika erst nach einer längeren regelmäßigen Einnahme ihre Wirkung entfalten und daher für eine Bedarfsmedikation oft ungeeignet sind.

Damit sind Phytopharmaka für eine Selbstmedikation nur bedingt geeignet und die Einnahme sollte immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Beispiele
  • Birke (latein.: Betula pendula) und Pockenholz (latein.: Guajacum oficinale)
  • Brennesselkraut (latein.: Herba urticae )
  • Cayennepfeffer (latein.: Capsicum frutescens)
  • Teufelskrallenwurzel (latein.: Tubera harpagophyti procumbens)
  • Weidenrinde (latein.: Salicis cortex)
  • Weihrauch (latein.: Boswellia serrata)